„Why don’t you do something?“ (Britney Spears)

Eine Mitgliedschaft im Sportverein und ein Zeitschriften-Abo als Stellvertreter für ein Lebensproblem:
Ist das Scheitern noch ein Scheitern, wenn man es bewusst herbeiführt und akzeptiert? So wie absichtlich beim Mensch-ärgere-dich-nicht zu verlieren? Ist es Selbstbetrug zu sagen „Hey, für mich ist das vollkommen okay, dass das hier nicht funktioniert“? Weil es nie okay ist, wenn Dinge nicht funktionieren? Oder wie? Oder was? Ende letzten Jahres hab ich das hier geschrieben:

Unbenannt

Und jetzt? Jetzt sitz ich gerade hier, schreibe die Kündigung meiner Mitgliedschaft im Thaibox-Gym (Viel Spaß noch mit meinen Beiträgen das nächste halbe Jahr). Genauso wie die Kündigung meines Les InRocks-Abos. Und denke dabei darüber nach, wie sehr meine Leider-nicht-nur-Partyraucher-Lunge beim Kraxeln durch die griechische Landschaft gelitten hat. Und ob sie sich wohl freut, wenn ich vom „Ich rauche so viel wie noch nie“-Modus in das „Ich versuch’s mal krass einzuschränken“-Programm wechsel. Ganz aufhören ist nämlich utopisch. Ich versuche jetzt, nicht nur Welt-, sondern auch Ich-Realist zu sein.

Fehleinschätzungen der eigenen Person nerven. Erst nur die anderen. Später, wenn man sie bemerkt, vor allem einen selbst. Es nervt, jede Woche aufs Neue die Sporttasche mitzuschleppen, um dann abends zu merken, dass man nachmittags viel zu viel gegessen hat/es einem nicht gut geht/man hetzen müsste, um pünktlich zu sein/EINFACH NICHT GENUG LUST HAT, um zum Training zu gehen. Die dreckig-gelbe Sporttasche als beleidigtes Mahnmal die ganze Zeit im Blick. Das Gleiche mit den Zeitschriften. Ich schaff es einfach nicht, jede Woche 100 Seiten Franzosen-Zeitung zu lesen. Morgens bin ich zu müde. Abends will mein Hirn dumm-hohle Berieselung. Am Wochenende fehlt die Motivation oder ich bin verkatert. Und auch hier: Ein schweigendes Mahnmal, bestehend aus einem Papierhaufen, der häufig noch in Folie verpackt unberührt da liegt (sorry, Bäume!).

Und anstatt dagegen anzukämpfen, den Schweinehund zu überwinden, einfach mal zu MACHEN, streich ich die Segel und akzeptiere das Scheitern. Mir fehlen nunmal die Ambitionen. Und zwar so ziemlich für alles. (Die Gitarre hab ich natürlich auch seit einem halben Jahr nur zum Abstauben überhaupt mal angefasst.) Das ist nicht besonders schön, dafür aber besonders wahr. Ich lehne es ab, Dinge anderen zuliebe zu tun, gleichzeitig fehlt mir der Antrieb, überhaupt irgendwas für mich zu tun. Das total überraschende Resultat: Ich tu meistens nichts. Und natürlich ändert sich dann nichts.

Unzufrieden zu sein, ohne Ambitionen zu haben, ist ganz schön kacke. „Ja, hallo, ich hätte gerne einmal alles anders. … Wie anders? Ach, keine Ahnung. Aber Hauptsache, ohne Aufwand, bitte.“ Klar weiß ich, dass es so nicht läuft. Aber Wissen allein bringt (wieder einmal) so rein gar nichts.

Mein grandioser „Plan“:
Punkt 1 (kurzfristig): Akzeptanz des Scheiterns.
Ich bin ein stinkefaules, bequemes Stück und sollte aufhören, so zu tun, als wäre das auch nur drei Tage im Jahr anders – gescheitert forever. Keine Pseudo-Ambitionen mehr. Das befreit vom Druck, den man sich ja doch immer wieder selbst macht (Ja, ich bin damit nicht alleine, ihr braucht gar nicht so zu gucken.)
Punkt 2 (langfristig): Punkt 1 irgendwie ändern. Haha.

Ja, ich weiß, ausbaufähig. Aber ein ausgereifter, komplexer Plan würde mich stressen, und … siehe Punkt 1.
Das hier ist nicht das ausgelutschte und überstrapazierte „Scheitern als Chance“. Das hier ist „Scheitern als bewusste Entscheidung“, als unvermeidlicher Teil meiner Person wie es meine miesen Augen, meine krüppeligen Zehen und meine Babywurstfinger sind. Und so kann man sich damit vielleicht eine Zeitlang arrangieren.

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