Oktober. Raschellaub statt Raketen.

In fall, I fall.
I fall for everthing new, I maybe even fall for you.
I fall in love with starting over and over again.

Der Herbst war schon immer mein Neujahr, die letzte Septemberwoche mein persönliches Silvester.  Sommer vorbei, Festivalsaison vorbei, früher auch Semesterferien vorbei. Zeit für ein persönliches Zwischenfazit also. Was war da so die letzten 12 Monate? Was kommt da so die nächsten?

Vor 12 Monaten war mein erster offizieller Tag als arbeitslose Arbeitssuchende. Ich hatte ohne Not einen Job gekündigt, der mich mit tollen Kollegen, schaffbaren Aufgaben und genug Geld versorgte – und der mich trotzdem irgendwie unglücklich machte. Kündigen, ohne etwas Neues zu haben: Oft hab ich mich gefragt, ob ich irre bin. (Meistens lautet die Antwort: „Ein wenig.“) Wenn mich Bekannte oder Fremde fragen, was ich mache und ich in Kurzform erkläre: „Also, ich sitz jetzt seit 9 Monaten bei Aldi an der Kasse, vorher hab ich in ner Werbeagentur gearbeitet, da hab ich gekündigt, ohne wirklichen Plan, weil ich unglücklich war – ich bin quasi auf Quarterlife-Crisis-Sinnsuche.“, bekomm ich häufig als Fazit meines Gegenübers: „Das finde ich mutig!“ Und wir alle wissen, Mut und Dummheit liegen genauso nah beinander wie Genie und Wahnsinn.

Hab ich mir das so vorgestellt? Natürlich nicht. Mein momentaner Job sollte eine sehr kurzfristige Übergangslösung sein, ein gemütlicher Zwischenstopp, der mich vor dem Arbeitsamt bewahrt und mir Zeit und Raum gibt, herauszufinden, wohin ich möchte und wer mich überhaupt möchte. Überraschung: Entweder funktioniere ich einfach nicht so oder Jobs im Einzelhandel oder ich im Einzelhandel oder ich in der Welt oder die Welt an sich. Ende der Geschichte bzw. Zwischenstand: Nach 9 Monaten bin ich (immer noch) eine mehr oder weniger freundliche Kassiererin – und fange jetzt ein Fernstudium oder viel mehr eine Fernweiterbildung an. Nach allen verrückten Ideen – auswandern ohne Geld, nach München ziehen für einen zweifelhaften Job, eine Ausbildung machen, einen Master machen, IRGENDWAS MACHEN – schien das die Lösung zu sein, die mein Unterbewusstsein ganz alleine ausgekaspert hat. Und es ist eine gute. Eine große Jobfrage steht jetzt zwar noch im Raum (weiter einen neuen Job suchen oder erstmal Studium fertigmachen und solange Füße stillhalten?), aber es ist Land in Sicht.

Aber das Leben ist nicht nur Job. Leider/Zum Glück. Was hat mich sonst so umhergetrieben? Ich habe meinen ersten großen Liebeskummer durchwandert, oft an meinem Herz und meinem Verstand gezweifelt und mir tausend unbeantwortbare Fragen gestellt. Status: Still work in progress. Vielleicht ist mein Herz wie mein Laptop. Über den hatte ich mich auch so gefreut, nach 2 Tagen ist er mir direkt runtergefallen und seitdem zieht sich eine horizontale Linie über den Bildschirm. Nervt, aber man gewöhnt sich dran, und benutzen kann man ihn trotzdem.

Sonst hab ich meine Zeit einerseits mit meinen fantastischen (neuen und alten) Freunden verbracht (you know who you are), zwei fantastische, extrem unterschiedliche Kurztrips gemacht und tolle Festivals besucht, anderseits mich zu Hause eingesperrt und mit mir selbst und meinen Dämonen gekämpft. Aber es wird besser. Ich werd besser. Und vielleicht schaff ich sogar das mit dem regelmäßigem Sport und der gesunden Ernährung mal länger als drei Wochen am Stück. #bodypositivity und #selflove hin oder her, man darf trotzdem an sich arbeiten wollen. Ich rauche zu viel, ich trinke zu viel, ich fluche zu viel. Ich hadere immer wieder mit der Menschheit und frage mich, was mit den Leuten nicht stimmt und warum wir nicht alle ein bisschen ehrlicher, ein bisschen netter, ein bisschen weniger kompliziert sind. Semi-beschissenes, ziemlich hartes Jahr bisher könnte man also sagen. Muss man aber nicht.

Was die nächsten Monate bringen? Wer weiß das schon. Vielleicht hab ich mich mit der Triple-Belastung Job/Freelancen/Studium komplett übernommen und lieg in zwei Monaten wimmernd mit Burnout in der Ecke. Vielleicht treff ich die zweite große Liebe meines Lebens, aus der dann was wird oder auch nicht. Vielleicht kommt am Ende eh immer alles so, wie man es sich eh vorher nicht ausdenken kann. Herbst, ich freu mich auf dich.

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